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Dienstag, 24. November 2020

Unser Baukasten für die Halbierung der Schulklassen!

Jetzt sind wir 3 Wochen im Wellenbrecher-Lockdown. Das exponentielle Wachstum wurde durchbrochen, ein Absinken der Neuinfektionen blieb aber aus und wir sind immer noch weit weg von einer (schon hohen) Zielinzidenz von unter 50. Daneben gibt es neue Erkenntnisse zum Infektionsgeschehen. Auf der einen Seite zeigt eine Studie einer Gruppe von Virologen um Sandra Ciesek, dass die Infektionsgefahr in Kitas sehr gering zu sein scheint [1]. Auf der anderen Seite steigen die Infektionszahlen von Kindern und Jugendlichen absolut und relativ zu den anderen Altersgruppen mittlerweile stark an. Wir sehen im Übrigen gerade in Österreich, wo der Lockdown die Schulen umfasst, dass die Infektionszahlen deutlich runter gehen. Und da die Kinder in der Infektionskette am Schluss „dran“ sind, brauchen wir Lösungen, die mindestens bis Ende 2021 reichen. 

Zur Vorbereitung der nächsten Corona-Runde im Kanzleramt am kommenden Mittwoch diskutieren die Länder für die Schulpolitik gerade eine Halbierung der Klassen. Das RKI hat schon seit dem 12.12. eine Halbierung der Klassen bei einer Inzidenz über 50 empfohlen und Lothar Wieler sagte in der Pressekonferenz des RKI in der vergangenen Woche auf Nachfrage, dass man das Infektionsgeschehen in den Schulen managen könnte. Das sehen wir auch so und in diesem Post möchten wir zeigen, dass es gehen kann, wenn man den Schulen die Flexibilität lässt, eigene Lösungen zu finden. 


Was bedeutet dann Halbierung konkret, wie kann das gehen? Wichtig ist zu verstehen, dass es keine Standardmodelle für alle geben kann. Dazu sind die Schultypen zu unterschiedlich, das soziale Umfeld und vielleicht auch die Übertragungsrisiken nach Alter der Jugendlichen. Wenn man der o. g. Studie folgt, könnten Kitas im vollen Präsenzbetrieb bleiben. Dass man dennoch mit Luftfiltern die Übertragungsrisiken verringern sollte, halten wir für selbstverständlich. Eine gute Übersicht über Konzepte dazu bietet das Interview mit Prof. Christian Kähler bei Spiegel Online[2].

Daneben kann man die Schultypen und Altersgruppen danach clustern, wie betreuungsintensiv der Unterricht ist. Eine hohe Betreuung sehen wir bei Kitas, Sonderschulen und weiterführenden Schulen bis einschließlich der 6. Klasse. Ab der 7. Klasse können Schüler*innen grundsätzlich allein auch von zu Hause dem Unterricht folgen. Grundsätzlich deshalb, weil in Schulen in einem sozialen Umfeld, wo Kinder zu Hause kein Internet, keine Hardware, keine Ruhe zum Lernen haben oder aus prekären Verhältnissen kommen, dies für uns auch betreuungsintensiv ist und deshalb für diese Schulen gesonderte Lösungen gebraucht werden.

Für die Halbierung des Unterrichts sehen wir ab der 7. Schulklassen 3 Modelltypen. Wir verstehen diese Modelle als Bausteine, die entsprechend den Voraussetzungen kombiniert und variiert werden können. Flexibilität ist das Gebot der Stunde und keine Standardmodelle und eben nicht ein Entweder-oder, das die aktuelle Diskussion leider prägt. 


Hybrid-1:

Dieses Modell haben wir oft beschrieben, zuletzt hier https://schulefueralle.blogspot.com/2020/11/so-geht-schule-mit-gesundheitsschutz.html

Im Kern geht es um einen Parallelbetrieb von Präsenz- und Online-Unterricht über Videokonferenz- und Social-Collaboration-Tools. In den Präsenzunterricht sollen dann genau die Schüler*innen kommen, die eine hohe Betreuung brauchen.

Die Grenzen dieses Modells liegen zum einen in der technischen Ausstattung der Schulen mit WLAN, Hardware, breitbandigen Anschluss (genauer im Link oben). Auch wenn Schulen heute nicht die technischen Voraussetzungen haben, sollten Sie dennoch dieses Modell als Plan B konsequent weiter vorbereiten, weil es eine sehr gute Vereinbarkeit von guter Bildungspolitik, Betreuung und Gesundheitsschutz ermöglicht und die Investitionen in Technik sowieso für die Digitalisierung der Schulen gebraucht werden und daher nicht verloren sind. 

Eine weitere Einschränkung hat dieses Modell in Schulen mit einem schwierigen sozialen Umfeld. Wenn mehr als 50 Prozent der Schüler*innen im o. g. Sinne betreuungsintensiv sind, dann muss der Ansatz um das Hybrid-2-Modell ergänzt werden.

Hybrid-2:

Dieses Modell basiert auch auf der Idee des Parallelbetriebs. Es bietet eine Lösung für die o. g. Beschränkungen (technische Voraussetzungen fehlen und hohe Betreuungsintensität).
Die Lösung liegt darin, indem Lehrer*innen von zu Hause unterrichten. Dort wird bis auf wenige lösbare Einzelfälle ein Onlinezugang vorhanden sein (hier reichen auch Anschlüsse mit geringer Bandbreite) und ein Rechner. Der Lehrer überträgt dann wie in Hybrid 1 den Unterricht in die Schule, wenn dort die technischen Lösungen vorhanden sind. Für die Schulen, wo die technischen Voraussetzungen nicht da sind oder die o. g. 50 Prozent-Grenze überschritten wird, wird der Unterricht in Konferenzräume von Hotels, Konferenzanbietern, Kirchen, der Gemeinden etc. übertragen, wo Breitbandressourcen und digitale Screens oder Beamer vorhanden sind. Daneben können Schüler*innen in diesen Räumen auch ihre Hausaufgaben machen und online mit den Lehrer*innen in Kontakt treten. In den meisten Fällen werden diese abgesetzten Räume mindestens eine Aufsicht brauchen. Wir denken, dass Schulen auch hierfür Lösungen finden, z. B. ehrenamtliche Hilfe von Eltern organisiert durch die Klassenpflegschaften, Menschen, die ein soziales Jahr machen oder andere Freiwillige.

Das Modell kann auch als Notfall-Modell „betrieben“ werden, bei dem grundsätzlich alle Schüler*innen zu Hause online unterrichtet werden und nur die Schüler*innen in den Präsenzmodus kommen, für die das z.B. bei sehr hohen Infektionszahlen im Sinne eines Notfalls erforderlich wäre, z. B. bei Kindern von Eltern in systemrelevanten Berufen.

Wie gesagt: Es geht um Lösungen ab der 7. Klasse. Die Schüler*innen brächten für den digitalen Unterricht in den Konferenzräumen daher keine Betreuung, zusätzlicher Personalaufwand entsteht nicht. Die Räume müssten angemietet werden. Da ab November aber der Umsatzausfall auch für die Anbieter von Konferenzräumen zu 75 kompensiert werden soll, müsste die öffentliche Hand nur noch ein Viertel der Deckungslücke tragen. Dies könnte auch ein Beitrag zur Stabilisierung dieser Branchen sein.

Konsequent durchgedacht können mit diesen beiden Ansätzen für alle Schüler*innen ab der 7. außerhalb der Sonderschulen eine Halbierung des Unterrichtes umgesetzt werden. Wenn Sie hier einen Fehler erkennen, melden Sie sich gerne. Wir entwickeln den Ansatz dann gerne weiter.

Unserer Ansicht nach bräuchte es die anderen Modelle nicht. Wir möchten Sie dennoch kurz vorstellen unter „Analoge Modelle“.

Analoge Modelle

Analoge Ansätze beruhen nicht auf einem Parallelbetrieb von Online- und Präsenzunterricht, sondern auf einem rollierenden Präsenzunterricht, bei dem die Klassen halbiert werden und nach (hier sind die Ansätze verschieden) 1 oder 2 Schultagen oder einer Schulwoche jeweils die andere Hälfte der Schüler in den Präsenzunterricht kommt. Außerhalb des Präsenzunterrichtes erledigen die Schüler*innen dann Hausaufgaben, lernen eigenständig z. T. unterstützt durch Lehrer*innen. Das erinnert an die Homeschooling-Modelle aus dem ersten Lockdown. Mittlerweile haben Lehrer*innen mehr Erfahrung in der digitalen Betreuung über Social-Collaboration-Tools oder die Einbindung von Lehrinhalten aus dem Netz, so dass Homeschooling besser als im 1. Lockdown „laufen“ sollte.

Nachteile dieser Ansätze sind allerdings, dass anders zu o. g. Modellen keine durchgängige Betreuung für die betreuungsintensiven Bereiche gewährleistet werden kann und Lehrer*innen deutlich stärker gefordert sind und Schüler*innen in den Phasen außerhalb der Schule mangels ausreichender Interaktivität abgehängt werden können. Für uns sind die hybriden Ansätze klar zu bevorzugen.

Eine weitere Möglichkeit ist, den Präsenzunterricht komplett in Räumlichkeiten von Konferenzanbietern zu verlagern, wo ein Unterricht komplett in Präsenz unter Einhaltung des Mindestabstands durchgeführt werden kann. Für Schulen, wo solche Möglichkeiten bestehen, kann das auch eine Überbrückungslösung sein.

Grundschulen, Sonderschulen und Lösungsideen für die 5. und 6. Klassen der weiterführenden Schulen

Für Grund- und Sonderschulen sehen wir keine Alternative zum vollen Präsenzunterricht. Allerdings erwarten wir, dass dieser Unterricht mit Luftfiltern und Maskenpflicht sicherer gemacht wird. Für die 5. und 6. Klassen der anderen weiterführenden Schulen kann man darauf hoffen, dass in dem Alter die Kinder wie in den Kitas auch keine große Rolle in der Verbreitung des Virus spielen und den Präsenzunterricht wie bisher dort weiterführen.

Vielleicht können auch diese Klassen halbiert werden, indem man Lehrer aus den höheren Klassen „abzieht“ und den Anteil des Online-Unterrichts ab 7. Klasse erhöht durch Zusammenlegung von Klassen/Kursen. Oder man halbiert die Klassen, schafft Raumkapazitäten in den Schulen durch Erhöhen des Online-Unterrichts und überträgt soweit wie möglich innerhalb der Schulen den Unterricht. In den abgeteilten Klassen könnten dann Aushilfskräfte für eine Betreuung eingestellt oder aus der Elternschaft gefunden werden.

Wie gesagt: Kommentieren Sie das gerne, wo Sie Ideen haben, die das Thema voranbringen können, schreiben Sie uns auch gerne!

 

 

Montag, 16. November 2020

Unsere Ausschreibung für die Positionen der 16 Kultusminister

Die Unzufriedenheit mit der Bildungspolitik und den Kultusministern ist groß. Die Welt ändert sich rapide und die Corona-Krise offenbart die Schwächen und Strukturfehler im System und dass die handelnden politischen Akteure überfordert sind. Wir haben uns daher überlegt, welche Anforderungen heute an die Position eines Kultusministers gestellt werden müssten. Da liegt es doch nahe, diese Anforderungen im Wege einer (fiktiven) Ausschreibung zu formulieren. Wir möchten hier einen Impuls setzen, mit dem wir die hohe Verantwortung dieser Position und die Handlungsnotwendigkeiten deutlich machen. Natürlich ist das unsere subjektive Auffassung und wir freuen uns auf Ihr Feedback dazu. Fragen Sie sich gerne auch, ob die aktuell handelnden Akteure den hier beschriebenen Anforderungen genügen. 

 




Kultusminister (w/m/d)

Die 16 Bundesländer der Bundesrepublik Deutschland besetzen herausragende Top-Positionen neu im Zuge der Neuausrichtung ihrer Bildungspolitik, der Verwaltungsstrukturen und zur Begründung einer neuen Führungskultur.

Gesucht werden die Kultusminister (w/m/d) in allen 16 Bundesländern

1.      Wer wird sind

Die Kultusminister*innen in den Bundesländern verantworten in der föderalen Struktur der Bundesrepublik die Qualität, Ausrichtung und strategische Weiterentwicklung der Bildungspolitik in den jeweiligen Bundesländern. Sie leiten die Bildungsministerien und steuern politisch die nachgelagerten Behörden sowie Kitas, Schulen und Universitäten. Ihnen kommt eine herausragende Bedeutung zu, da eine zukunftsfähige, qualitativ hochwertige Bildung die wichtigste Ressource für den Standort Deutschland ist.

2.      Ihre Aufgaben

Als Kultusminister entwickeln Sie politische Konzepte, Lösungen für die drängenden Probleme im deutschen Bildungssystem und setzen diese zeitnah um:

·         Angefangen von einem Renovierungsstau vieler Gebäude, über eine zu schlechte Qualität der schulischen Bildung (dokumentiert durch Mittelplätze in den PISA-Studien), gravierenden Rückständen in der digitalen Ausstattung der Schulen und Universitäten und den wenig entwickelten digitalen Kompetenz der Lehrer*innen und Professor*innen.

·         Zukunftsfähigkeit bedeutet auch, auf allen Bildungsebenen stärker in MINT-Qualifikationen zu investieren.

·         Neben der Zukunftssicherheit der Schulen ist die deutliche Erhöhung der Chancengleichheit in der Bildungspolitik ein gleichwertiges Ziel dieser Position.

·         Daneben sind Sie verantwortlich für die Neuorganisation Ihres Ministeriums, der nachgelagerten Behörden und der Steuerung der Kitas, Schulen und Universitäten. Ziel der Neuorganisation ist die Stärkung der Entscheidungsfreiheit und Agilität in Kitas, Schulen und Universitäten.

·         Ausgelöst durch eine falsche Politik in der Corona-Krise gilt es, das Vertrauen insbesondere in die Schulen und Kitas als Arbeitgeber wiederherzustellen und eine motivierende Führungskultur zu fördern, damit perspektivisch die Berufe als Lehrer und Erzieher (wieder) attraktiv werden.

3.      Das sollten Sie mitbringen

Sie verfügen über einen akademischen Abschluss in einem MINT-Studienfach oder Wirtschaftswissenschaften. Sie haben in ihrer Karriere bewiesen, dass Sie Organisationen bzw. Unternehmen transformiert haben und verfügen über eine langjährige Erfahrung im Changemanagement. Idealerweise haben Sie erfolgreich Krisen in Unternehmen oder Organisationen gemanagt. 

Als strategischer Kopf erkennen Sie, mit welcher Strategie Sie die o. g. Aufgaben erfolgreich angehen und als umsetzungsstarker Treiber mit passenden Maßnahmen zielgerichtet und schnell durchsetzen.

Als Führungskraft sind Sie empathisch und authentisch in der Kommunikation. Sie überzeugen durch Ihre Wertorientierung und sind daher in der Lage, ein attraktives Zukunftsbild der Arbeitsplätze in Kitas, Schulen und Universitäten glaubwürdig zu vermitteln.

Als Profi im Umgang mit Stakeholdern gelingt es Ihnen, die verschiedenen Interessengruppen in die Entwicklung des Zukunftsbildes einzubinden. Auch die Mitarbeiter*innen im Kultusministerium, den nachgelagerten Behörden, Kitas, Schulen und Universitäten erwarten eine glaubwürdige Führung in dieser Neuausrichtung. 

 

Ihre Chance in einem Ministerium von herausragender Bedeutung  

Wir verlangen viel von Ihnen, die Herausforderungen sind groß. Als intrinsisch motivierte Persönlichkeit reizt Sie genau das und die Möglichkeit, die Neuausrichtung für einen imminent wichtigen Bereich der deutschen Gesellschaft zu gestalten.

Eine gutes Vergütungspaket mit der Möglichkeit einer attraktiven Altersabsicherung rundet dieses Angebot ab.

Richten Sie Ihre Bewerbung bitte direkt an den Ministerpräsidenten der jeweiligen Länder.


Freitag, 13. November 2020

Föderales Chaos neben der Bildungspolitik auch im Datenschutz

Datenschutz ist ein sehr wichtiges Thema und zu Recht haben der Schutz von persönlichen Daten und das Recht auf informationelle Selbstbestimmung durch die Datenschutzgrundverordnung der EU einen sehr hohen Rang. Wir sehen allerdings schon länger Probleme, auf die nicht reagiert wird.


Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil Mitte Juli das Datenschutzabkommen (Privacy Shield) zwischen EU und USA gekippt und damit weitere Unsicherheit geschaffen, welche IT-Systeme, welche Software im Einklang mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) stehen und welche nicht.

Wir haben an anderer Stelle beschrieben, warum aus unserer Sicht die bekannten US-Anbieter mit ihren Social-Collaboration-Tools ein besseres Gesamtpaket für hybriden Unterricht bieten als die Lösungen, die in den Ländern eigenständig aufgebaut werden. Abgesehen davon, dass die z. T. noch gar nicht oder nur unzureichend funktionieren. Wie Bildung auch ist der Datenschutz bei uns in Deutschland föderal organisiert. Datenschutz ist Ländersache und in der unterschiedlichen Auslegung der Landesbehörden für Datenschutz liegt nun (wie in der Bildungspolitik) ein Problem.

Die Datenschutzbehörden des Bundes und der Länder haben die Möglichkeit, in der Datenschutzkonferenz hier gemeinsame Standards zu setzen. Diese sind im föderalen System zwar nicht bindend, aber man könnte sich doch über Ländergrenzen hinweg verständigen, welche IT-Systeme dem Datenschutz genügen – im Wege einer sogenannten Positivliste – und wo ggfs. noch im Datenschutz nachzusteuern wäre. In Bezug auf das Office-365-Paket von Microsoft hat man Anfang Oktober genau diese Abstimmung auf Ebene der Datenschutzkonferenz versucht. Allerdings wurde der Antrag mit 9:8 Stimmen abgelehnt. Jetzt soll es ein Arbeitskreis richten und man möchte mit einem ausgewählten Team mit Microsoft um besseren Datenschutz verhandeln. Bis dahin wird es dann zwischen den Bundesländern eigenständige Regelungen geben und die Schulen bewegen sich in einem rechtlichen Graubereich. Ich fürchte, das dauert noch lange und was ist mit all den anderen Tools, zu denen es noch gar keine Entscheidung gibt?

Genau wie der Virus mutiert eine Software aber auch nicht zwischen den Landesgrenzen. Die Frage, ob eine Software aus Sicht des Datenschutzes zulässig ist oder nicht, kann doch nicht zwischen Bundesländern unterschiedlich beantwortet werden! Und warum müssen parallel 16 Bundesländer äußerst komplexe juristisch und technische Probleme lösen? Für uns ist dieser Parallelbetrieb eine Verschwendung von öffentlichen Mitteln, es dauert viel zu lange und die Qualität der Ergebnisse leidet auch.

Kann in dieses Chaos nicht die Bundespolitik eingreifen, indem das Bundesministerium des Innern ein Ausführungsgesetz der DSGVO vorlegt, mit dem die o. g. Positivliste durch den Gesetzgeber verbindlich wird? Es werden aktuell so viele Gesetze für die Bewältigung der Corona-Krise gemacht und durch die Legislative „gepeitscht“ und dabei in aus unserer Sicht Grundrechte eingriffen (Art. 12 und 14).

Daneben haben wir den Verdacht, dass bei der Anlegung der Maßstäbe aus dem Datenschutz nicht immer einheitlich vorgegangen wird. Sind WhatsApp, Facebook oder TikTok (um auch eine App aus China zu nennen) aus Datenschutzsicht wirklich unproblematischer als die o. g. Social-Collaboration-Tools? Wie gesagt, Datenschutz ist auch für uns ein sehr hohes Gut. Es geht uns um einheitliche Maßstäbe, effiziente Verwaltungsstrukturen und um Überbrückungslösungen für die Zeit ohne Nachfolgeregelung zu Privacy-Shield.  

Sonntag, 1. November 2020

Freie Wahl zwischen Präsenz- und Online-Unterricht, Hybrid1: So geht‘s

Ab morgen sind wir also im Wellenbrecher-Lockdown. Derweil hat schon am Samstag die Zahl der Neuinfektionen den „Merkelwert“ von 19200 erreicht. Ob wir dann gegen Mitte November eine dämpfende oder abflachende Wirkung in den Infektionszahlen sehen, ist offen. Bis Mitte November werden die Zahlen sicher noch steigen, hoffentlich nicht mehr exponentiell.


Die Begründung für den Lockdown ist: Wir müssen die Infektionen reduzieren, damit Gesundheitsämter wieder Infektionsketten nachverfolgen, wir Wirtschaft und Schulen offenhalten können und eine drohende Überlastung der Intensivmedizin verhindert werden kann. Also Hotels, Gaststätten, Fitnessstudios etc. werden runtergefahren, damit die o. g. Bereiche offenbleiben können. An anderer Stelle und später müssen die Fehler aus der Coronakrise aufgearbeitet werden und der Versuch einer längerfristigen Politik mit Corona tut Not. Jetzt geht es aber darum, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Einen Lockdown halten wir auch für unumgänglich.

Schulen sollen offenbleiben. Wir haben hier schon an vielen Stellen beschrieben, wie gravierend aus unserer Sicht die Fehler der Kultusminister waren und sind. Aber auch bei den Kultusministern sehen einzelne grundsätzlich den Fernunterricht als mögliche Reaktion auf die Pandemie und erste Bundesländer und Regionen weichen von der Vorgabe der Kultusminister ab, den „Regelbetrieb“ aufrecht zu erhalten. Wie aber kann ein Fernunterricht jetzt schnell umgesetzt werden, der Gesundheitsschutz, Betreuung und gute Bildung kombiniert angesichts immer noch unzureichender digitaler Voraussetzungen?

Der Ansatz beschreibt das, er ist bewusst kein langfristiges Konzept, wie Bildung in der Zukunft aussehen könnte. Jetzt geht es darum, Infektionsketten in Schulen zu unterbrechen und gleichzeitig einen guten Unterricht mit Betreuungsoptionen zu ermöglichen. Daneben greife ich auch auf, wie der Gesetzgeber das akute Datenschutzproblem lösen kann. Das ist holprig und setzt viel guten Willen, Kompromisse und Veränderungsbereitschaft auf allen Seiten voraus. Andere Optionen zur Halbierung des Unterrichts haben wir hier in unserem Blog beschrieben https://schulefueralle.blogspot.com/2020/11/unser-baukasten-fur-die-halbierung-der.html

 

1.       Hybrider Unterricht in Zeiten von Corona: Wie geht das?

Hybrider Unterricht in Zeiten von Corona bedeutet einen Mix aus: 

·        Präsenzunterricht unter Wahrung des Mindestabstands, zusätzlich Hygiene- und Lüftungskonzepte möglichst unter Nutzung von wirksamen Luftfiltern und Maskenpflicht auch im Unterricht. Die Idee ist, dass dann nur so viele Schüler*innen die Stunde als Präsenzunterricht im Schulgebäude wahrnehmen, wie es unter den o. g. Gesundheitsaspekten räumlich möglich ist und dass dabei aber nur ein Lehrer bzw. eine Lehrerin pro Klasse oder Kurs und ein Schulraum benötigt wird.

·        Flexiblen Online-Unterricht, der mehrere Optionen anbietet:

·        Eine Übertragung des Unterrichts aus der Schule nach Hause über eine Videokonferenzsoftware bzw. Social-Collaboration-Software

·        Eine Übertragung des Unterrichts aus der Wohnung, des Hauses von Lehrer*innen in die Schulen und zu den Schüler*innen nach Hause.

·        Betreuung der Schüler*innen außerhalb der Schulstunden durch Kommunikation Lehrer/Schüler über ein Social-Collaboration-Tool von Haus zu Haus. Mindestens für die Lehrer und Schüler, bei denen zu Hause keine Netzanbindung vorhanden ist, müssen die Schulen am Nachmittag Lernräume einrichten, wo man sich die Hausaufgaben herunterladen kann, Hausaufgaben machen kann und mit Lehrern kommuniziert werden kann. Wo möglich, können Schulen hier auch noch Betreuung durch Lehrkräfte in den Räumen der Schule einrichten.



2 Aufteilung der Klassen/Kurse in Präsenz- und Onlinemodus: gesteuerte Freiwilligkeit

Die Grundidee hierbei ist eine durch die Lehrer*innen gesteuerte Freiwilligkeit. Grundsätzlich wird es den Schüler*innen freigestellt, ob Sie im Präsenz- oder Online-Modus am Unterricht teilnehmen.

In der Praxis haben dann die Schüler*innen die Möglichkeit in die Schule zu kommen, 

·        die zu Hause keine (ausreichende) Onlineanbindung oder immer noch keine Hardware haben

·        wo keine produktive Lernsituation zu Hause vorhanden ist – kein ausreichender Raum, eine Lärmbelastung, die ein produktives Lernen nicht ermöglicht

·        die unter psychischen Belastungen leiden (depressive Symptomatiken, Einsamkeitsgefühle, Vermissen der schulischen Kontakte)

·        Jüngere Schüler*innen, deren Eltern beide berufstätig sind (aus unserer Sicht können ab der 7. Klasse Schüler*innen grundsätzlich auch allein von zu Hause am Schulunterricht teilnehmen).

·        die unter häuslichen Konflikten, Gewalterfahrungen leiden.

Die Lehrer*innen könnten daneben Schüler*innen aktiv in den Präsenzunterricht einladen, von denen sie befürchten oder ahnen,

·        dass sie durch die Corona-Krise drohen schulisch „abgehängt“ zu werden

·        dass es zu Fällen häuslicher Gewalt kommen könnte.

Auf der anderen Seite haben die Schüler*innen, die Möglichkeit von zu Hause den Unterricht zu verfolgen,

·        die unter Vorerkrankungen leiden

·        die kein höheres Ansteckungsrisiko eingehen können oder wollen, da ein Familienmitglied unter Vorerkrankungen leidet oder aufgrund des Alters besonders gefährdet ist

·        die Sorge haben, sich selbst anzustecken, da sie Angst vor einer möglichen Erkrankung haben oder in Quarantäne sind

·        die einen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten möchten, indem sie Kontakte reduzieren oder Angst vor einer Infektion haben.

Das Modell ist nicht statisch: Im Rahmen der Obergrenzen können/sollen Schüler*innen zwischen Online- und Präsenzmodus tauschen. Es soll aber niemand in den Präsenzunterricht gezwungen werden.

3.      Wie kann das technisch funktionieren?

Für die Übertragung des Videostreams aus der Schule heraus braucht es eine performante Breitbandanbindung mit WLAN in der Schule. Im HD-Format sind zwischen 1 und 2 Mbit/s im Upload erforderlich, um ein pixelfreies Bild zu haben. Anschlüsse mit 40 bzw. 50 Mbit/s im Upload sind mittlerweile für deutlich mehr als 80 Prozent der Haushalte (Quelle: Breitbandatlas des BMVI) in Deutschland erhältlich – mit dem bekannten Gefälle zwischen Stadt und Land. Abhängig von den baulichen Gegebenheiten in der Schule könnte dann die Performance eines Anschlusses einer Schule über WLAN-Netzwerke für bis zu 40 parallele Streams ausreichen. In den Schulen selbst fehlt meist noch ein WLAN-Netz. Mit WLAN-Repeatern kann man heute ein WLAN-Netz schnell aufbauen; auf mittelfristige Sicht besser ist die Anbindung weiterer WLAN-Accesspoints über Kabel. Lehrer*innen können bei der Nutzung des Videotools die Bildübertragung ausschalten, wenn es der Unterricht ermöglicht. Das spart Netzübertragungskapazitäten. Auch eine geringere Übertragungsqualität im SD-Format spart Bandbreite.

Für die Übertragung des Unterrichts aus der Schule heraus braucht es ein Notebook oder Tablett mit Webcam. Hilfsweise kann die Übertragung auch über ein Handy erfolgen. In dieser Ausnahmesituation erscheint es uns zumutbar, dass die Lehrer*innen hier eigene Hardware einbringen, wenn die Schule noch keine Hardware zur Verfügung stellen kann. Für Übertragung aus dem Klassenzimmer heraus braucht man ein Konferenzmikrofon, das Sprache aus allen Richtungen aufnehmen kann (360-Grad-Mikrofon) und eine große Reichweite ermöglicht. Die Konferenzmikrofone gibt es integriert mit Lautsprechern, sodass die Rückmeldungen der Online-Schüler*innen berücksichtigt werden können. Zusätzlich kann ein mobiles Headset für den Lehrer die Übertragungsqualität verbessern.

Wir schätzen, dass mittlerweile zwischen 10 und 20 Prozent der Lehrer nicht mehr am Präsenzunterricht teilnehmen, weil sie zu den Risikogruppen gehören oder in Quarantäne sind.

Damit diese Lehrer*innen weiterhin unterrichten können, sollen sie per Videokonferenz und Social-Collaboration-Tool den Kontakt mit den Schüler*innen aufrecht erhalten und von zu Hause aus unterrichten. Es gibt viele Beispiele, wo das schon gut funktioniert, aber klar, es braucht hierfür beim Lehrer einen Internetzugang, die oben beschriebenen Anforderungen an die Bandbreite treffen auch hier zu. Anschlüsse mit einer realen Performance von 2 Mbit/s sollten aber fast überall verfügbar sein.
  

Für die Übertragung des Unterrichts in die Schulen hinein brauchen die Schulen dann neben einem Notebook, Tablet in den Klassen, die das Signal empfangen, einen Beamer oder ein digitales Board. 

Wir haben von Problemen in Schulen gehört, wo die Schüler*innen mit Laptops in den Klassenräumen saßen und jeder dann versuchte, über den WLAN der Schule den Unterricht des Lehrers zu empfangen. Dabei ist dann das Netz zusammengebrochen, da jeder empfangende Anschluss die gleichen Netzressourcen parallel „frisst“. Also bitte nur einen Anschluss je Klassenraum, dafür braucht es dann aber wie oben gesagt Beamer oder digitale Boards.

Software/Cloud: 

Um den hybriden Unterricht durchführen zu können, brauchen und nutzen auch heute schon Schulen eine Software, die neben Videokonferenzen, das Arbeiten in virtuellen Gruppen, den Austausch und die gemeinsame Arbeit an Dokumenten und die Kommunikation innerhalb der Gruppen ermöglicht. Aus unserer Sicht (und wir bekommen kein Geld von den Anbietern) bieten US-Firmen hier die besten Pakete.

Demgegenüber setzen fast alle Bundesländer auf eigene Lernplattformen (z. B. Baden-Württemberg ist da aus unserer Sicht schlauer und setzt auf Microsoft Teams), bei denen sie neben der Administration von E-Mail-Adressen für Lehrer*innen, interaktive Austauschplattformen mit Cloudressourcen aufbauen und auch Videokonferenztools integrieren wollen. Soweit wir das übersehen, setzen die Bundesländer hier auf Open-Source-Software. Das Problem ist, dass die Bundesländer unterschiedlich weit sind: In Berlin fehlen schon die E-Mail-Adressen für Lehrer*innen. In den meisten anderen Bundesländern ist man weiter, aber auch da ist der Aufbau der eigenen Systeme meist noch nicht abgeschlossen, sodass entweder nicht ausreichend Cloudressourcen vorhanden sind oder eine Videokonferenzsoftware fehlt.  

Wenn man jetzt kurzfristig hybriden Unterricht umsetzen will, kommt man aus unserer Sicht an den US-Anbietern nicht vorbei, da sie ein Gesamtpaket anbieten aus nutzerfreundlicher Software, ausreichend Cloudressourcen und Integration von Videokonferenztools.

Wo Lehrer keine dienstliche E-Mail-Adresse haben, sollte es dann angesichts der aktuellen Situation hoffentlich auch mit privaten gehen. 



Bleibt allerdings das Problem mit dem Datenschutz:

Der Europäische Gerichtshof hat mit seinem Urteil Mitte Juli das Datenschutzabkommen (Privacy Shield) zwischen EU und USA gekippt und damit Unsicherheit geschaffen, welche Systeme im Einklang mit der Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) stehen und welche nicht. Grundsätzlich ist der Datenschutz bei uns föderal organisiert. Aber wie in der Bildungspolitik sehen wir auch im Datenschutz die Grenzen des Föderalismus. Es dauert einfach zu lange und warum soll eine Software in Bayern nicht genutzt werden dürfen, in Hamburg aber schon? 

Daneben widersprechen Eltern bundesweit den Einwilligungserklärungen zur Nutzung von Videokonferenzsystemen oder Social-Collaboration-Tools. In beiden Fällen wird argumentiert, dass ohne das Privacy-Shield-Abkommen amerikanische Geheimdienste im Zweifel auf die Daten deutscher Nutzer dieser Software zugreifen könnten. Natürlich ist das eine zulässige Argumentation, die es aus unserer Sicht abzuwägen gilt gegenüber einem kurzfristig möglichen hybriden Unterricht, der dazu beitragen kann, dass Bildung in guter Qualität, inkl. Betreuungsfunktion in der aktuellen Notlage stattfinden kann - unter Einhaltung eines Gesundheitsschutzes, der Standard für Unternehmen ist.

Die deutsche Politik kann die beschriebene Unsicherheit in der DSGVO kurzfristig lösen, indem das Bundesministerium des Innern ein Ausführungsgesetz der DSGVO vorlegt, mit dem bis zur Vereinbarung eines neuen Abkommens zwischen EU und USA über eine Positivliste von US-Unternehmen klargestellt wird, dass diese Anbieter Ihre Produkte in Deutschland anbieten dürfen. Es werden aktuell so viele Gesetze für die Bewältigung der Corona-Krise gemacht und durch die Legislative „gepeitscht“ und dabei in aus unserer Sicht höherwertige Grundrechte eingriffen. Da sollte es doch gelingen, dass man dieses Thema jetzt endlich löst. Es kann aus unserer Sicht nicht sein, dass in einem Land mit gut 60 Mio. Nutzern von WhatsApp (wo ist da der Datenschutz?) der hybride Unterricht an leicht lösbaren Problemen im Datenschutzrecht scheitert.

4.   Rolle der Netzbetreiber

Richtig: Nicht überall gibt es die o. g. erforderliche Abdeckung mit Breitbandanschlüssen. Setzen Sie mit Ihren Bürgermeistern, Regional- Bundespolitikern die Netzanbieter unter Druck, dass hier möglichst schnell Abhilfe geschaffen wird. Ich bin sicher, dass die Bereitschaft da ist, hier schnellstmöglich zu unterstützen.  

5.  Vorteile des Konzeptes

Aus unserer Sicht bestehen folgende Chancen:

·        Der Ansatz bietet eine praktikable Lösung, bei dem Gesundheitsschutz, Betreuung und gute Bildung möglich sind. 

·        Er ist zeitnah umsetzbar und mit überschaubaren Kosten verbunden und die Investitionen müssen Schulen auf dem Weg in die digitale Schule sowieso vornehmen.

·        Es geht auf mögliche unterschiedliche häusliche (Lern-)Situationen ein

·        Trägt den begrenzten Personalressourcen auf Seiten der Lehrer*innen und Raumressourcen Rechnung, weil nur ein Lehrer bzw. eine Lehrerin pro Stunde je Klasse/Kurs eingesetzt wird.

·        Freiwilligkeit: Niemand wird in den Präsenzmodus gezwungen

Wir haben großen Respekt gerade vor der Arbeit der Schulleiter*innen, die aktuell alles versuchen, den Schulbetrieb aufrecht zu halten. Vielleicht hilft Ihnen dieser Artikel und Sie schaffen es, Geld für die Hardware auf der Einkaufsliste einzusammeln, jemanden zu finden, der die WLAN-Netze aufbaut und Software direkt oder über Ihre Schulbehörden einzukaufen. Wer schon weiter ist in der Digitalisierung, dem empfehlen wir ein Probetag „Hybrider Unterricht“, um zu erfahren, wo noch nachgebessert werden muss.

Jetzt werden Sie vielleicht denken: In dem Artikel fehlt das pädagogische Konzept. Stimmt. Aber zum einen gibt es für hybriden Unterricht sehr gute Konzepte. Daneben geht es in der aktuellen Situation darum, die gewählte Social-Collaboraton-Software zu lernen, bzw. zu vertiefen. Wo es keine Schulungen dazu gibt, können Sie improvisieren. Sie haben sicher Lehrer*innen unter ihren Kollegen, die da schon mehr Erfahrung haben und ihr Wissen gerne weitergeben, oft können das auch Schüler. Warum nicht von Schülern lernen? Und dann ist das kein Hexenwerk, im Netz gibt es sehr viele Videos zu den einschlägigen Programmen, die für das Selbststudium geeignet sind.

Es ist Zeit, dass in den Schulen jetzt ein großer Schritt in Richtung hybriden Unterricht unternommen wird. Wir sind überzeugt, dass wir dadurch auch einen großen Schritt in Richtung bessere Schule für die Zeit nach Corona gehen können.


Samstag, 24. Oktober 2020

Die Kultusminister und das Politbüro der DDR: Zu viele Gemeinsamkeiten

 „Denk ich an Deutschland in der Nacht. Dann bin ich um den Schlaf gebracht.“ Dem Zitat von Heine folgend, können unsere Kultusminister aktuell sicher nicht mehr schlafen. Die Infektionszahlen steigen rasant und sie haben sich sauber in eine Sackgasse manövriert, aus der es jetzt ohne großen Gesichtsverlust kein Entrinnen mehr gibt. „Augen zu und durch“ ist daher die Devise.

In der föderalen Struktur unseres politischen Bildungssystems mit hierarchischer Anweisungskultur sind es die Kultusminister, die Verantwortung tragen für die aktuelle Misere. Die Liste der Fehlleistungen im unmittelbaren Zusammenhang mit der Corona-Krise ist lang:

·       Die Digitalisierung wurde viel zu spät eingeleitet. Deutsche Schulen sind Schlusslichter im internationalen Vergleich für digitalen Unterricht.

·        Kein Monitoring auf die Vergabe der Mittel aus dem Digitalpakt Schule. Da hat man erst während des Corona-Lockdowns gemerkt, dass die Mittel so gut wie gar nicht abgerufen werden.  

·        Auch nach dem Lockdown wurde der hybride Fernunterricht (Digitalisierung) nicht umfassend vorangetrieben im Sinne eines Plan B.

·        Stattdessen wurde immer nur an Puzzlestücken gearbeitet - Laptops für Lehrer und pädagogische Konzepte für hybriden Unterricht - und die Beseitigung der Mängel in der technischen Infrastruktur ignoriert oder nicht konsequent angegangen. Die pädagogischen Konzepte sind wichtig, helfen aber nicht, wenn in der Schule kein performantes WLAN aufgebaut ist oder der Breitbandanschluss fehlt.

·        Die Lehre aus dem Desaster mit dem Homeschooling im 2. Schulhalbjahr war dann der Beschluss, nach den Sommerferien in den Regelbetrieb zurückzukehren. Ein Plan B oder C wurde zwar aufgeschrieben, aber weiterhin nicht vorangetrieben.

·        In den Sommerferien hatten wir den Eindruck, die Schulbürokratie ist einzig mit Hygienekonzepten beschäftigt, die dann „pünktlich“ kurz vor Schulbeginn verkündet wurden.

·        Die warmen Monate wurden auch nicht genutzt, um sich auf den Winter vorzubereiten. Jetzt steht der Winter vor der Tür, die Infektionszahlen steigen rasant, exponentiell und wir erwarten, dass wir die 19.200 täglichen Infektionen, die Kanzlerin Merkel als Drohszenario hochgerechnet hat, nicht erst Weihnachten, sondern spätestens in der 2. Novemberwoche erreichen werden. Wenn man aber an der aus unserer Sicht „Illusion des Regelbetriebs“ festhält, hätte man die Schulen sicher machen müssen, da hier die Übertragungsrisiken genauso hoch sind wie z. B. an einem Büroarbeitsplatz in der Privatwirtschaft oder bei einem Restaurantbesuch. Luftreiniger, Trennwände, Maskenpflicht hätten die Hygiene- und Lüftungskonzepte ergänzen müssen. Immerhin 4 Bundesländer möchten jetzt doch Luftreiniger einkaufen, aber vermutlich ist es jetzt auch schon zu spät und die sollen wohl auch nur dort eingesetzt werden, wo in den Klassen nicht gelüftet werden kann. Die öffentliche Hand wird ihren Verpflichtungen als Arbeitgeber in Sachen Gesundheits- und Arbeitsschutz nicht gerecht – und gefährdet dann auch noch Schüler und Angehörige, wenn Schulen sich als Infektionsherde herausstellen.

·       Das RKI empfiehlt mit dem Papier „Präventionsmaßnahmen in Schulen während der COVID-19-Pandemie“ vom 12.10. für Schulen in Bezirken mit einer 7-Tages-Inzidenz über 50/100 Tsd. andere Schulkonzepte, bei denen der Mindestabstand in den Klassen gewährleistet werden kann (Verkleinerung der Klassen, Distanzunterricht). Stand heute (23.10.) ist aber so gut wie keine Schule - bei 198 Regionen oberhalb des kritischen Wertes, den Empfehlungen des RKI gefolgt.

·       Neben dem Nichthandeln kritisieren wir die Politik der Fake News. So wurden z. B. „Studien“ (Verzeihung, aber das kann man nicht ohne Anführungszeichen schreiben) herangezogen, dass Schulen in der ersten Phase der Pandemie keine Infektionstreiber waren. Dass diese „Studien“ zu einer Zeit des Lockdowns, des Parallelbetriebs und der Einhaltung von Mindestabständen in Schulen gemacht wurden (und daher nicht aussagekräftig sind), wurde verschwiegen. Auch, dass die Studie (das geht ohne Anführung …) zu Viruslasten der Charité – Prof. Drosten – schon vor den Sommerferien zu dem Ergebnis kam, dass Kinder mit Erwachsenen vergleichbare Viruslasten von Covid-19 mit sich tragen und daher eine vergleichbare Rolle in der Übertragung spielen können. Ähnlich dubios und mit Unterstützung von „Experten“ wurde die Wirkung von Luftreinigern wegdiskutiert – „bringt nichts, Lüften reicht“. Manche Bildungspolitiker halten Luftfilter für zu teuer; als ob Unterrichtsaufall, Krankheit usw. nichts kosten. Unser Angebot steht, bei einer Kosten-Nutzen-Analyse zum Einsatz von Luftfiltern zu unterstützen. Und klar, jeder muss sich fragen, welchen Experten man hier vertraut. Wir glauben, bei der Auswahl von Studien und Experten sorgsamer zu sein.

·       Die Kultusminister sind abgetaucht, Kommunikation erfolgt fast nur schriftlich durch die Behörden. Politische Führung sieht anders aus. Wenn man von den eigenen Konzepten überzeugt ist, wäre jetzt die Zeit, für Akzeptanz durch persönliche, authentische und glaubwürdige Kommunikation zu sorgen. Dass das nicht erfolgt, spricht für sich.

·       Stattdessen hat man vermeintlich geschickt schon nach Beginn der Sommerferien vorgebaut. Die Regelbetriebsstrategie wurde im Zusammenhang mit dem allgemeinen Infektionsgeschehen gesehen: Also solange die Bürger nicht unvernünftig sind und sich nicht infizieren, kann der Schulbetrieb auch wie geplant funktionieren. Wenn es dann jetzt bald knallt, sind die Schuldigen schnell gefunden: Die Menschen, die zu Hause noch Gäste haben, reisen oder gar die bösen Jugendlichen, die Party machen und Lehrer bzw. Erzieher, die dann nicht richtig gelüftet haben. „Das Infektionsgeschehen wird in die Schulen hereingetragen“, kann man von Kultusministern hören. Das hat was von Kabarett. Natürlich ist eine Infektion in der Schule immer hereingetragen von Lehrern oder Schülern, die in diese Schule gegangen sind. Was denn sonst? Die Frage ist doch, ob der Unterricht in der jetzigen Form ein Risiko für die weitere Verbreitung von Corona ist. Das RKI sagt ja für die o. g. Risikoregionen „ja“ und bitte helfen Sie, dass die Kultusminister mit diesem durchsichtigen Schwarze-Peter-Spiel nicht durchkommen! 

Uns erinnert das an den Untergang der DDR Ende der 80er-Jahre. In der DDR hatte das Politbüro zu der Zeit keine Kraft mehr oder keine Einsicht, politische Änderungen (Reformen) einzuleiten, den Kontakt zu den Menschen verloren, die revolutionäre Unzufriedenheit der Bürger unterschätzt, an illusionären Plänen festgehalten und Schwarzer Peter gespielt. Wir waren selbst erschreckt, wie viele Gemeinsamkeiten da sind.

Montag, 12. Oktober 2020

Jetzt in den Krisenmodus umschalten! Unsere Forderungen an die Kultusministerkonferenz.

 

Die Infektionszahlen haben sich im Wochenvergleich verdoppelt, das Wachstum ist exponentiell und laut Forsa rechnen 75 Prozent der Bürger in Deutschland mit einem zweiten Lockdown. In diesem Umfeld tagen die Kultusminister am 15. und 16. Oktober. Wegen der sich verschlechternden Infektionslage per Videokonferenz. Wir würden gerne Mäuschen spielen, der Diskussion folgen und uns beteiligen. Spannend ist für uns schon die Frage, welches Videokonferenztool genutzt wird. 



Leider sind wir nicht dabei. Wir möchten mit diesem Post aber unsere Ideen und Erwartungen einbringen, mit der wir den absehbaren Gau für Schule, Gesundheit von Lehren und Schülern und für die Akzeptanz des Bildungssystems noch abwenden können. 

Der wesentliche Punkt ist, dass die verantwortlichen Bildungspolitiker jetzt den Ernst der Lage erkennen und in den Krisenmodus umschalten. Unserer Ansicht nach kann nicht mehr geleugnet werden, dass Schulen zu Hotspots geworden sind und der „Regelbetrieb“ wird schon jetzt in der täglichen Schulpraxis ad absurdum geführt. Sie halten das für überzogen oder glauben, es wird schon irgendwie gut gehen? Dann lesen Sie nicht weiter! Wir meinen, dass jetzt die Bildungspolitik auch exponentiell Geschwindigkeit erhöhen muss. Daher sollten mit 2 Task-Force-Projekten die wesentlichen Probleme jetzt angegangen werden.

Task Force 1 betrifft den Fernunterricht, wir nennen es hybriden Unterricht. In der sich abzeichnenden Krise geht es dabei nicht um grundsätzliche Konzepte, sondern wie man jetzt schnell Lösungen findet, Unterricht zu Hause und in der Schule effizient zu koppeln. Die Bundesländer sind unterschiedlich weit in der Digitalisierung des Unterrichts. Daher sollten diese Projekte in allen Bundesländern installiert werden. Dennoch kann die Struktur des Projektes überall gleich sein.

Aus unserer Sicht liegt der kurzfristige Schwerpunkt in der Beseitigung der Mängel in der Technik, hier gibt es noch am meisten zu tun. Lesen Sie z. B. unseren Ampelreport hier im Blog. Die Task-Force in den Ländern sollte dabei folgende Punkte prüfen:

·        Status der Anbindung aller Schule an ein Breitbandnetz,

·        Die interne Vernetzung in den Schulen (WLAN und IT, ggfs. Server),

Betreuung und Wartung der neuen Infrastruktur,

·        Auswahl Social-Collaboration-Tools, Videokonferenzssysteme.


Nach der Analyse geht es um verbindliche Lösungsansätze für die identifizierten Probleme in den Ländern und um Hilfestellungen für die Schulen. Immer mit dem Blick auf Geschwindigkeit. Warum „basteln“ die Länder an eigenen Lösungen, statt von etablierten Anbietern Software, Cloudspeicher und Betreuung von Rechnern und schulischen Anlagen einzukaufen? Bis z. B. bei Schulen neue Experten für IT und Netze eingestellt sind, ist vermutlich 2022 und in der Konkurrenz um knappe Kräfte in diesem Arbeitsmarktsegment war der öffentliche Dienst nicht wirklich erfolgreich.

Ein Teil der Bestandsaufnahme sollte ein Testtag „Fernunterricht“ sein, in dem die Schulen für sich an einem Testtag herausarbeiten, wo die technischen Schwachstellen sind und wo Lehrer noch die Nutzung von neuer Software lernen sollen, inkl. der Lernplattformen, die es in manchen Bundesländern bereits gibt.

Task Force 2 zum Thema Gesundheit sollte demgegenüber zentral aufgesetzt werden. Anders als im Bereich Fernunterricht haben hier die Bundesländer gleiche Startbedingungen. Das Virus mutiert nicht an Landesgrenzen und warum sollte ein Lüftungskonzept in Land A wirken und nicht in Land B? Daneben ist es nicht vermittelbar, wenn ein Bundesland Luftfilter als Lösung sieht, in einem anderen die Wirkungsweise dieser Filter aber abgestritten wird.

Die Hauptarbeit in dieser Task Force ist dann, die Wirkung von Lösungen zu objektivieren, wie ein Schulbetrieb ohne Einhaltung des Abstandsgebotes funktionieren kann, ohne dass die Gesundheit von Lehrern und Schülern riskiert wird. Es wird Zeit, mit der Mär aufzuräumen, man müsste nur vernünftig lüften. Die Task Force sollte aus unserer Sicht erarbeiten, wie Lüftungskonzepte mit wirksamer Luftfilterung, Tragen von Masken und ggfs. Schutzwänden ergänzt werden sollten.

Diese Task Force sollte auch eine Kosten-Nutzenrechnung der vorgeschlagenen Maßnahmen erstellen. Bisher wird z. B. das Thema von wirksamen H14-Luftfiltern mehr aus dem Bauch beurteilt („Viel zu teuer“). Politik sollte aber die Wirkung von Maßnahmen umfassend bewerten. In dem Fall: Welche Einsparungen bringen diese Luftfilter bei Energiekosten (Vermeidung von Lüften im Winter), bei der Begrenzung von Ausfallzeiten bei Lehrern und Schülern (Krankheit durch Kälte/Luftzug im Klassenzimmer, höhere Ansteckungsrisiken bei Covid-19 und Grippe). Wenn dadurch Ausfallzeiten verringert werden, erhöht sich auch die Bildungszeit und die Qualität der Bildung. Auch diese vermiedenen Kosten sollten bei einer nachhaltigen Sicht auf das Thema einbezogen werden.  

Ein weiteres Problem ist auch, dass nicht nur zwischen den Ländern, sondern zwischen den Gesundheitsämtern unterschiedlich gehandhabt wird, wer bei welchen Symptomen zu Hause bleiben soll. Werden nur einzelne Schüler/Lehrer in Quarantäne „geschickt“ oder ganze Klassen, Kohorten bzw. Schulen komplett geschlossen? Dazu müsste eine einheitliche Linie unter Federführung der Gesundheitsminister erarbeitet werden können.

Wir sind gespannt auf die Ergebnisse der Kultusministerkonferenz und hoffen, dass jetzt der proaktive Krisenmodus aktiviert wird.

Dienstag, 6. Oktober 2020

Welche Fehler den Kultusministern im Winter auf die Füße fallen

Herzlichen Dank, dass Sie unseren Blog lesen, weiterleiten, kommentieren und manchmal auch kritisieren. Klar: Als Bürgerinitiative möchten wir den hybriden Unterricht fördern. Nicht nur, weil er ein wichtiges Element bei der Frage ist, wie wir gute Bildung mit Gesundheitsschutz verknüpfen können bei Schulschließungen, Teilschließungen oder bei individuellen Verdachtsfällen von Corona, sondern auch, weil wir in einem Mix aus Online-Unterricht und individuellem Präsenzunterricht die Zukunftsform der Bildungspolitik sehen, nicht nur in Schulen.

Und weil uns der Schutz der Gesundheit von Lehrern und Schülern (Angehörige, Verwandte, Freunde…) insgesamt ein wichtiges Anliegen ist, möchten wir hier noch mal deutlich machen, wo wir gravierende politische Fehler sehen.

In einer Schulverwaltung, die föderal aber in den Ländern stark top-down durchorganisiert ist, muss man als Erste die Kultusministerien der Länder für Fehlentwicklungen verantwortlich machen. Hier also unsere – Vorsicht: subjektive Sicht - Liste der Verbesserungsfelder. Und nach der Kultusministerkonferenz vom 15. und 16. Oktober wird immer klarer, wie sehr sich unsere obersten Bildungspolitiker verrannt haben.



Kein Plan B

Wir kritisieren, dass wir in Deutschland im digitalen Unterricht so weit hinter anderen Ländern sind und wir trotz Corona, trotz der negativen Erfahrungen mit Homeschooling im Lockdown keine durchgreifende Verbesserung sehen. Und selbst wenn man für ein niedriges Infektionsgeschehen auf den Präsenzunterricht im „Regelbetrieb“ setzt: Wir sehen nicht, dass ein Plan B mit einem funktionierenden Fernunterricht konsequent angegangen wird. Klar ist es gut, wenn Lehrer jetzt endlich das Arbeitsmittel Laptop oder Tablet bekommen. Der Ampelreport aus unserem Blog zeigt, wo es in den technischen Voraussetzungen für hybriden Unterricht aus unserer Sicht hakt.

Kein Konzept für die Schule der Zukunft

Uns ärgert, warum wir nicht von anderen Ländern lernen. Warum wird politisch nicht offen darüber diskutiert, wie die Schule der Zukunft aussehen könnte. Man muss nicht das Modell der Dänen 1:1 übernehmen, aber die sind schon sehr erfolgreich und wir lernen nicht von Best Practices aus dem Ausland. Wenn uns aus Studien vorgehalten wird, wie rückständig wir im digitalen Unterricht sind, führt das nur viel zu langsam zu Verbesserungen. Das Thema Bildungspolitik scheint politisch nur von geringer Priorität zu sein; nicht nachvollziehbar für ein Land, das sonst keine Ressourcen hat.

Gesundheitsschutz von Lehrern und Schülern vernachlässigt

Der Renovierungsstau in unseren Schulen wird im Regelbetrieb zum Problem, wenn Fenster nicht geöffnet werden können. Dass Aerosole eine sehr wichtige Rolle bei der Übertragung von Covid-19 spielen, war schon vor den Sommerferien bekannt. Schon mutig, dann auf Regelbetrieb ohne Abstand zu setzen und damit das erste A aus den AHA-Regeln außer Kraft zu setzen. Und wir lernen jetzt immer mehr, wie gravierend die Aerosolübertragung ist. Dennoch wir die Anschaffung von Luftfilteranlegen noch abgelehnt. Natürlich muss man die richtigen Filter nehmen. H14-Schwebstofffilter können die Luft sehr wirksam von Covid-19-Schwebeteilchen reinigen.

Der Winter kommt, Lüften alle 30 (besser wären alle 20) Minuten verwandelt die Klassenräume im Winter in „Eispaläste“ und treibt die Heizkostenrechnungen hoch. Hat jemand schon den Break-even berechnet, ab wann sich diese Luftfilter allein schon aus Gründen der Heizkostenersparnis rechnen? Und wenn dadurch wirksam Infektionsketten unterbrochen werden - damit Erkrankungen, Krankenhausaufenthalte, Ausfall von Lehrern und Bildungszeit von Schülern verringert und Todesfälle vermieden werden, die Umwelt geschont - wie schnell „amortisiert“ sich eine effektive Filteranlage dann? Sehr schnell und nach allem, was wir heute über das Coronavirus wissen, erledigt sich das Problem ja nicht im nächsten Frühjahr und wir werden die Luftfilter mindestens im Winter 2021/22 noch brauchen. Wir unterstützen gerne, wenn ein Business-Case hierzu gerechnet werden soll.

Und dann noch die Alltagsmasken aus der AHA-Regel: Wann empfehlen wir endlich, dass in Schulen Masken mit dem Standard FFP2 oder KN95 getragen werden? Oder noch besser: Wenn das Infektionsgeschehen wie befürchtet anzieht, wann schreiben wir die Masken vor und versorgen Kinder und Lehrer damit? Diese Masken in Kombination mit Luftfiltern wären die Voraussetzung, dass auch im Winter Präsenzunterricht mit vertretbaren Gesundheitsrisiken möglich wäre.

Keine Transparenz

Das Infektionsgeschehen in den Schulen ist nicht transparent. Nicht im Sinne von brauchbaren Daten (Infektionen von Schülern, Lehrern, Zahlen zur Quarantäne, Teil- und Vollschulschließungen). Wie soll die Ausbreitung des Virus in und aus Schulen heraus beurteilt werden, wenn diese Daten nicht sauber da sind. Hierzu empfehlen wir den NDR-Podcast mit Prof. Drosten, Folge 58. Und selbst in den Schulen erfahren Lehrer, Schüler und Eltern oft zufällig über Infektionen. Vorbeugendes Verhalten für den Einzelnen, die Beurteilung von Infektionsclustern und die Entwicklung von Strategien gegen die Ausbreitung des Virus werden so erschwert.

Es wird immer wieder behauptet, der Fernunterricht würde vorbereitet. Warum probt man denn jetzt nicht den Ernstfall? Wir machen Probeläufe für Sirenen, Brandschutz, Katastrophenschutz. Warum nicht auch für Fernunterricht? Das könnte die Behauptungen dann plausibel untermauern.

Fehlinformationen

Schon zur Begründung des Regelbetriebes wurden Studien über Kinder und deren Rolle im Infektionsgeschehen verbreitet, wo wesentliche Beobachtungen aus der Zeit des Lockdowns stammten, als Kinder nicht oder nur mit Mindestabstand in der Schule waren. Trotzdem hat man diese Studien instrumentalisiert und zur Begründung der „Regelbetriebsstrategie“ herangezogen. Für uns ist das nah an der Verbreitung von Fake News und bei der Ablehnung von Luftfiltern sehen wir gerade ähnliche Argumentationsmuster.

Kaum Lernen voneinander

Wir haben aus der Rückmeldung zu unseren Anschreiben an die Kultusminister erfahren, dass es in Hamburg in der Behörde für Schule und Berufsbildung einen Chief Digital Officer gibt. Da die Digitalisierung (Technik, IT, Netze) ein wesentlicher Engpass für hybriden Unterricht ist, halten wir das für eine sehr zielführende organisatorische Maßnahme, von der andere Bundesländer lernen können. Das föderale System ist aber nur dann performant, wenn man von den schnellen und innovativen Ländern auch (schnell) lernt. Aber vielleicht gibt es in anderen Kultusministerien auch schon CDOs. Dann bitte melden und weitersagen, wie die Erfahrungen dazu sind!

Politische Führung fehlt

Wie geschrieben: Wir sehen die Kultusminister in der Verantwortung, erleben aber, dass die Verantwortlichen abgetaucht sind. Hoffentlich wird hinter verschlossenen Türen an den Themen gearbeitet. Dass wir Schulgipfel im Kanzleramt haben, die dann wenig an der Misere ändern, spricht allerdings nicht dafür. Aber die Hoffnung stirbt ja bekanntlich zuletzt.

Zugegeben haben wir hier etwas pauschal die 16 Länder über einen Kamm geschoren. Wir sehen einige Bundesländer besser auf den Winter vorbereitet als andere. Für uns sind die genannten Punkte daher Prüfpunkte für das Zeugnis der Kultusminister für das erste Halbjahr – für die Winterzeugnisse sozusagen. Blaue Briefe werden wir frühzeitig verschicken. 


Unser Baukasten für die Halbierung der Schulklassen!

Jetzt sind wir 3 Wochen im Wellenbrecher-Lockdown. Das exponentielle Wachstum wurde durchbrochen, ein Absinken der Neuinfektionen blieb aber...

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