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Montag, 3. August 2020

Zum Schulauftakt in Mecklenburg-Vorpommern: Unsere Risikobewertung

Viele wundern sich über Menschenansammlungen draußen ohne Einhaltung des Abstandsgebots und ohne Masken bei Bildern der Partys am Ballermann der Demonstrationen in Berlin, gleichzeitig startet in Mecklenburg-Vorpommern das erste Bundesland mit der Wiederaufnahme des Regelbetriebs der Schulen - ohne Abstandsgebot und in geschlossenen Räumen.

Solange die Infektionszahlen gut sind, solange die Menschen außerhalb der Schule sich an die Coronaregeln halten, funktioniert das auch, so Manuela Schwesig zum Schulstart in Mecklenburg-Vorpommern. Das stimmt natürlich, und wir brauchen dringend wieder einen guten Schulunterricht mit Betreuung unserer Kinder und Jugendlichen.

Dennoch ist das eine sehr riskante Politik, da

  • die Infektionszahlen wieder deutlich steigen, vielleicht kündigt sich gerade eine zweite Welle an und wir sicher nicht vor Mitte 2021 einen wirksamen Impfstoff haben (wenn überhaupt)
  • es immer klarer wird, dass Kinder und Jugendliche genauso am Infektionsgeschehen teilnehmen wie Erwachsene
  • Aerosole und Tröpfcheninfektion den Schwerpunkt der Ansteckung darstellen und daher geschlossene Räume ohne Abstandsgebot besonders riskant sind
  • gerade weil bei Kindern und Jugendlichen die Krankheit viel stärker als bei Erwachsenen ohne Symptome abläuft, eine hohe Gefahr der unerkannten Übertragung besteht
  • gut die Hälfte der Infektionen von Kranken ohne Symptome kommt, wird die Gefahr von unkontrollierten bzw. unkontrollierbaren Superspreading-Events in Schulen immer größer.

Daneben: Wenn man diese Politik von einer abstrakteren Warte aus Sicht einer Risikoverringerungsstrategie in einer Katastrophensituation betrachtet, dann ist eine Strategie, die nur auf eine Option (Regelbetrieb) setzt und dabei bestehende Risiken ausblendet, fahrlässig.

In vielen Bundesländern wird jetzt zwar behauptet, dass es Rückfallkonzepte gibt (für eine zweite Welle, regionale Lockdowns, Schulschließungen bei Infektionen in der Schule). Auch soll digitaler Fernunterricht den Präsenzunterricht ergänzen, für Lehrer und Schüler aus Risikogruppen bzw. für Kinder und Jugendliche mit Eltern aus den Risikogruppen. Allerdings zeigen sich hier von Bundesland zu Bundesland und von Schulträger zu Schulträger noch große Unterschiede. Hinter diesem digitalen Fernunterricht verbirgt sich oft das bekannte Homeschooling. Klar, immer mehr werden jetzt Laptops für Schüler und Lehrer gekauft bzw. der Kauf gefördert. Das ist auch gut so. Es gibt aber noch viele digitale Baustellen:

·        immer noch haben viele Schulen keine E-Mail-Adressen für ihre Lehrer*innen,

·        schulinterne Netzwerke fehlen – kabelgebunden oder Alternativen über dLAN, WLAN

·        Softwarelizenzen für Videokonferenzen, Social Collaboration Tools oder Lernplattformen fehlen

·        Hardware wie digitale Boards und Beamer müssen noch angeschafft werden

·        Datenschutzkonzepte fehlen und werden zum Popanz aufgebauscht

 

und das Erschreckende ist:  Auch gut sechs Monate nach dem ersten Coronafall in Deutschland hat sich daran wenig bis  nichts geändert.

Unternehmen haben in der Coronakrise Homeoffice aus dem Boden gestampft, die Betriebe machen Weiterbildung immer digitaler. Selbstgesteuertes und individuelles Lernen ist die Zukunft der betrieblichen Personalentwicklung. Präsenzveranstaltungen und digitale Formate ergänzen sich, diese hybriden Konzepte sind die Zukunft. Apropos Selbstlernen: Es wird immer wieder gefordert, man brauche jetzt (zuerst einmal) digitale Weiterbildung. Dabei gibt es für all die o.g. Softwareprodukte „massenhaft“ Schulungsvideos im Netz. Lehrer*innen sind in der Lage, das schnell in Eigenverantwortung zu lernen und für den Einsatz im Unterricht helfen dann sicher auch gerne technikaffine Schüler*innen.

Der Parallelbetrieb von Präsenz- und Fernunterricht über Videokonferenz ist im Übrigen ein Plan B, ein Rückfallkonzept, mit dem gute Bildung, Betreuung und Gesundheitskonzepte mit Abstandsgebot möglich sind. Wir haben als Bürgerinitiative diesen Plan B konkret beschrieben, der gute Bildung, Betreuung und Gesundheitsschutz ermöglicht. Wird Zeit, dass der analoge Frontal- und Standardunterricht in Schulen aus dem vorletzten Jahrhundert endlich um funktionierende, digitale Konzepte ergänzt wird und die Politik jetzt das Thema vorantreibt, Führung übernimmt.

 

Montag, 20. Juli 2020

Ministerpräsident Markus Söder deutet Änderung in der Schulöffnungsstrategie an

Der bayerische Ministerpräsident Markus Söder hat gestern im ZDF-Sommerinterview zur Öffnung der Schulen nach den Sommerferien eine neue Strategie angedeutet. Nach den kritischen Tönen aus der SPD (Saskia Esken, Prof. Lauterbach) hat nun der erste Ministerpräsident die bisher verkündete Strategie des „Regelbetriebs nach den Sommerferien“ hinterfragt. Zitat: „Ich bin nicht so komplett davon überzeugt, dass es absolut nach den Sommerferien einen normalen Regelunterricht geben wird“ und fordert danach Alternativkonzepte ein für den Fall, dass es wieder (gemeint ist das Infektionsgeschehen) schlechter wird. Das ist trotzt der Weichmacher im Zitat eine erstaunliche Entwicklung. 

Markus Söder ist bekannt für seinen eigenständigen Kurs und vorsichtigen Öffnungskurs in der Coronakrise. Oft zogen andere Bundesländer nach. Wir hatten in der Vorwoche alle Ministerpräsidenten und Kultusminister angeschrieben und politische Führung eigefordert, damit jetzt schnell die politischen Voraussetzungen für hybriden Unterricht in den Schulen bundesweit geschaffen werden – und gleichzeitig für unser konkretes Alternativkonzept im Sinne des bayerischen Ministerpräsidenten geworben. Vielleicht haben auch unsere Argumente, wie risikobehaftet die derzeitige Öffnungsstrategie ist, überzeugt und zu dem Politikschwenk beigetragen 😊🙏🏻. Auf jeden Fall zeigt das Beispiel, dass unsere Position richtig ist, wir Kurs halten werden und sich einzubringen Erfolg hat. Ich bin sicher, dass jetzt die gewünschte Bewegung in die politische Auseinandersetzung kommt.

Hier der Link zum Interview 


Der Link ist vermutlich nicht mehr lange aktiv, die zitierte Passage beginnt bei Minute 6 und 22 Sekunden. 

Wir wünschen eine gute Woche und bleiben Sie hoffentlich gesund! 

Klaus Peren 

Freitag, 17. Juli 2020

Wann steht eigentlich ein Impfstoff gegen das Coronavirus zu Verfügung?

Aktuell forschen laut WHO fast 200 Unternehmen weltweit an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Im Best Case – erste Unternehmen sind schon in der Phase 3 des Erprobungsprozesses mit Freiwilligen und damit kurz vor möglichen Genehmigungsverfahren – könnten im Herbst von diesen Unternehmen erste Impfstoffe ausgeliefert werden. Einen guten Überblick über den aktuellen Stand der Forschung bietet der verlinkte Artikel, aus dem ich auch das sehr gute Schaubild entnommen habe.

https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov



Bis ein Impfstoff aber in ausreichender Menge weltweit vorhanden ist, dauert es nach Schätzungen mindestens bis Mitte 2021. Da die Unternehmen mit Forschungsvorsprung nicht aus Deutschland kommen, ist das für mich auch der Best-Case-Termin für Deutschland. Demgegenüber stehen Worst Case Szenarien, dass sich die Impfstoffe als nicht ausreichend wirksam/sicher in den klinischen Erprobungsphasen erweisen oder keinen längerfristigen Schutz bieten. Im Worst Case wird dann das am Anfang der Pandemie skizzierte "New Normal" Realität und dann müssen wir uns auf ein Leben mit dem Coronavirus mindestens längerfristig einrichten. 

Aufgrund dieser Unsicherheit und des Zeitraums bis mindestens Mitte 2021 wäre es aus unserer Sicht fahrlässig, bei der Schulöffnung nur auf einen günstigen Verlauf im Infektionsgeschehen in Verbindung mit Hoffnung auf ein Best-Case-Szenario für die Verfügbarkeit eines Impfstoffes zu setzen. Hinzu kommt, dass wir eine Plan-B-Lösung brauchen, die die begrenzten Lehrkapazitäten und Räumlichkeiten in den Schulen berücksichtigt, freiwillige Optionen anbietet und ein Öffnen des Unterrichts für alle auch im Lockdown ermöglicht.

Daher unser Plan B! Lesen Sie hier mehr dazu und über unsere Forderungen in Richtung der politischen Akteure.

Mittwoch, 15. Juli 2020

Unsere E-Mails an die Regierungschefs und Kultusminister aller 16 Bundesländer

In den 16 E-Mails sind wir heute kurz auf unsere Bürgerinitiative eingegangen und wofür wir stehen. Der wichtigste Punkt in den Schreiben ist die Aufforderung, jetzt politische Führung zu übernehmen, damit mindestens als Plan B der hybride Unterricht umsetzungsreif wird. Dass wir einen Regelunterricht nach der Sommerpause, wenn überhaupt nur als Überbrückungsszenario unterstützen, haben wir deutlich gemacht. Unsere Kernforderungen, das Konzeptpapier und die SWOT-Analyse waren weitere Eckpunkte der E-Mails. Wer das Template für die Schreiben haben möchte, wende sich bitte an Klausperen.SchulefuerAlle@gmail.com!

Donnerstag, 9. Juli 2020

Unsere SWOT-Analyse zur Entscheidung der Kultusministerkonferenz "Schule im Regelbetrieb nach den Sommerferien"

Mit unserem neuen Post teilen wir eine umfassende Analyse der bestehenden Entscheidung der Kultusministerkonferenz, nach den Sommerferien den Regelbetrieb in den Schulen wieder aufzunehmen - ohne Abstandsgebot und unter der Voraussetzung, dass das Infektionsgeschehen es zulässt.

Diese Präsentation auf YouTube nutzt das Tool der SWOT-Analyse, mit der Stärken, Schwächen, Chancen und Bedrohungen einer Strategie untersucht werden. Durch die Berücksichtigung dieser 4 Perspektiven soll eine möglichst objektive Position eingenommen werden. Machen Sie sich selbst gerne ein Bild, und wie immer freuen wir uns über Feedback.

https://youtu.be/17__FwY2y1g

Klaus Peren


Freitag, 3. Juli 2020

Unsere Kernforderungen an die politischen Akteure

Wir sehen den hybriden Unterricht - bei dem parallel der Präsenzunterricht übertragen wird an Schüler*innen zu Hause -  als den einzigen Ansatz, mit dem in Zeiten von Corona bei einem signifikanten Infektionsgeschehen ein guter Schulunterricht für Alle möglich ist. Die für die Bildungspolitik verantwortlichen Akteure müssen jetzt und vor allem schnell die Voraussetzungen dafür schaffen. 

Wir fokussieren uns bewusst auf dieses kurzfristig zu lösendem Thema. Langfristige Konzepte zur Ausrichtung der Schulbildung sind wichtig - Schule hat sich in den letzten Jahren kaum verändert. Sie lösen aber jetzt nicht unser kurzfristiges Problem, einen guten Schulunterricht nach den Sommerferien anzubieten. 

Hier unsere wichtigsten politischen Forderungen; wir freuen uns über Kommentare und Ideen dazu. Teilen Sie diesen Post bitte!

Herzliche Grüße 


Donnerstag, 2. Juli 2020

So werden Sie Mitglied in unserer Bürgerinitiative

Herzlichen Dank, dass Sie sich für eine Mitgliedschaft bei uns interessieren. Mit der Mitgliedschaft sind keine „Pflichten“ verbunden. Wir informieren Sie dann über aktuelle Posts automatisch. Sonst nichts: Keine Werbung etc. und wir schützen natürlich Ihre Daten.

Am einfachsten ist die Registrierung über einen Desktop PC bzw. ein Notebook; dazu bitte in dem Feld rechts mit einer E-Mail-Adresse registrieren und den weiteren Schritten folgen. Über ein Handy ist das leider etwas schwieriger - besonders die Captcha-Abfrage - und geht dann auch nur über die Webversion in Ihrem mobilen Browser. Hinweis daher: Bitte Desktop oder Notebook verwenden!

Wer aktiv die Politik der Bürgerinitiative mitgestalten will, melde sich gerne direkt bei mir unter Klausperen.Schulefueralle@gmail.com 

Herzliche Grüße 

Klaus Peren

Zum Schulauftakt in Mecklenburg-Vorpommern: Unsere Risikobewertung

Viele wundern sich über Menschenansammlungen draußen ohne Einhaltung des Abstandsgebots und ohne Masken bei Bildern der Partys am Ballermann...